430.000 Jahre alte Holzwerkzeuge definieren die frühe menschliche Technologie neu

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Neue archäologische Beweise aus Europa zeigen, dass Homininen – wahrscheinlich Neandertaler oder ihre Vorgänger – Hunderttausende Jahre vor der Ankunft des Homo sapiens auf dem Kontinent Werkzeuge aus Holz und Knochen herstellten. Die in zwei aktuellen Studien detaillierten Ergebnisse stellen frühere Zeitpläne für die frühe menschliche technologische Entwicklung in Frage.

Früher als gedacht: Werkzeuge in Griechenland und England gefunden

Forscher haben in Südgriechenland Holzwerkzeuge ausgegraben, die 430.000 Jahre alt sind. Diese Fragmente, darunter eine geschärfte Erlenscherbe und ein geschnitzter Zweig, stellen die ältesten bekannten Holzwerkzeuge dar, die jemals entdeckt wurden. Gleichzeitig wurde in England ein 500.000 Jahre alter Hammer aus Elefanten- oder Mammutknochen ausgegraben.

Diese Entdeckungen sind bedeutsam, weil sie beweisen, dass frühe Menschen schon lange vor der Entwicklung des modernen Menschen über fortgeschrittene Fähigkeiten in der Materialverarbeitung verfügten. Dr. Katerina Harvati, eine Hauptautorin der griechischen Studie, erklärt, dass dies zeigt, dass die prähistorische Intelligenz ausgefeilter war als bisher angenommen.

Das Fortbestehen der frühen Homininen in Europa

Der Zeitrahmen ist entscheidend: Der Homo sapiens entstand vor über 300.000 Jahren in Afrika, und der früheste Beweis für ihn in Europa ist erst 210.000 Jahre alt. Das bedeutet, dass andere Hominin-Arten, wie Neandertaler oder Homo heidelbergensis, Europa fast eine Million Jahre lang bewohnten, bevor unsere Art überhaupt ankam. Als Homo sapiens sich vor etwa 40.000 Jahren schließlich in Großbritannien niederließ, waren sie nicht die ersten intelligenten Menschen auf dem Land.

Warum Holz und Knochen wichtig sind

Archäologische Aufzeichnungen begünstigen oft Steinartefakte, weil sie länger haltbar sind. Organische Materialien wie Holz verrotten schnell, sodass eine Konservierung selten ist. Der älteste Beweis für absichtliche Holzkonstruktionen wurde 2019 in Sambia gefunden, wo 476.000 Jahre alte ineinandergreifende Baumstämme darauf hindeuten, dass frühe Menschen Strukturen gebaut haben.

Die griechische Stätte Marathousa 1 bietet eine Momentaufnahme der Umgebung, in der diese Homininen lebten. Neben den Holzwerkzeugen fanden Forscher Fossilien von Elefanten, Schildkröten, Vögeln, Nagetieren und Flusspferden – Beweise für ein reiches Ökosystem und komplexe Jagdpraktiken.

Diese Entdeckung unterstreicht, dass die frühen Menschen nicht nur überlebten, sondern ihre Umwelt aktiv mit Werkzeugen aus verfügbaren Materialien gestalteten.

Die kontinuierliche Verfeinerung archäologischer Methoden und neue Funde werden zweifellos die Geschichte der frühen menschlichen Innovation neu schreiben. Die Beweise deuten darauf hin, dass die Geschichte des menschlichen Einfallsreichtums viel früher und mit größerer Vielfalt begann, als bisher angenommen.