Postpartale Psychose: Wird die Psychiatrie endlich eine eindeutige Diagnose anerkennen?

10

Der Fall von Emily Sliwinski, einer Mutter aus North Carolina, die kurz nach der Geburt eine schwere Psychose erlitt, wirft ein Schlaglicht auf eine langjährige Debatte in der amerikanischen Psychiatrie. Die anfängliche Fehldiagnose von Frau Sliwinski mit Schizophrenie, bevor eine Spezialeinheit ihren Zustand korrekt als postpartale Psychose identifizierte, unterstreicht eine kritische Lücke bei der Erkennung der psychischen Gesundheit.

Seit über fünf Jahren setzen sich Frauengesundheitsspezialisten dafür ein, dass die postpartale Psychose offiziell als einzigartige Diagnose im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) aufgeführt wird. Diese „Bibel“ der Psychiatrie leitet Forschung, Ausbildung und Patientenversorgung, was bedeutet, dass ihre mangelnde Spezifität für diese Erkrankung zu einer verzögerten oder falschen Behandlung führen kann.

Warum das wichtig ist: Postpartale Psychosen sind eine seltene, aber schwere psychische Erkrankung, von der etwa 1 von 1.000 bis 1 von 500 Müttern nach der Geburt betroffen sind. Zu den Symptomen gehören Halluzinationen, Wahnvorstellungen und schnelle Stimmungsschwankungen. Ohne eine ordnungsgemäße Diagnose können Frauen wie Sliwinski mit unnötiger psychiatrischer Behandlung, ungeeigneten Medikamenten oder längerem Leiden rechnen.

Die derzeitige diagnostische Unklarheit zwingt Ärzte dazu, postpartale Psychosen in breitere Kategorien von Schizophrenie oder bipolaren Störungen einzuteilen. Dies verwässert die Forschungsfinanzierung und Ausbildung für diese spezielle Erkrankung. Der Drang nach Anerkennung wird durch die Notwendigkeit besserer klinischer Leitlinien, einer verbesserten Forschung zu wirksamen Behandlungen und einer Verringerung der Stigmatisierung vorangetrieben.

Befürworter argumentieren, dass ein spezieller DSM-Eintrag dafür sorgen würde, dass mehr Psychiater die Erkrankung erkennen, was zu einer schnelleren und gezielteren Behandlung führen würde. Dies würde nicht nur die Patientenergebnisse verbessern, sondern auch genauere Daten zu Prävalenz und Risikofaktoren liefern.

Die Debatte innerhalb der American Psychiatric Association geht weiter, ohne Garantie für eine Änderung in der nächsten DSM-Ausgabe. Das wachsende Bewusstsein und die Bemühungen zur Interessenvertretung deuten jedoch auf einen möglichen Wandel in der Herangehensweise der Psychiatrie an diesen kritischen Aspekt der psychischen Gesundheit von Müttern hin.

Eine verspätete Erkennung einer postpartalen Psychose kann zu unnötigem Leiden und Fehldiagnosen führen. Durch die Formalisierung einer eigenen Kategorie könnte die Psychiatrie eine schnellere und genauere Versorgung von Müttern gewährleisten, die an dieser schweren Erkrankung leiden.