Der schüchterne orangelippige Geist der Wälder der Demokratischen Republik Kongo

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Orangefarbene Lippen. Ein schwarzes Gesicht. Ein Geheimnis, das viel zu lange im hohen Blätterdach der Demokratischen Republik Kongo gehütet wurde.

Wissenschaftler haben bestätigt, was die Einheimischen bereits im Flüsterton wussten. Dort lebt ein Affe, deutlich und genetisch einzigartig. Offiziell wurde es allerdings erst jetzt.

Der Primat versteckt sich. Buchstäblich. Versteckt in den dichten, verworrenen Dächern der zentralöstlichen Wälder des Lomami-Nationalparks entzieht es sich dem Blick des Menschen. Naturschützer sahen diese seltsame Kreatur erstmals im Jahr 2008, konnten jedoch nur einen verschwommenen Schnappschuss machen. Ein Geist im Objektiv.

Zehn Jahre vergingen. Stille, dann eine weitere Sichtung. Ein internationales Team ging zu Boden. Sie haben es gefunden. Und sie haben bewiesen, dass es sich um eine neue Art handelt.

Denken Sie darüber nach. Fünfhundertfünfzig Jahre. Seit 1950 sind nur fünf afrikanische Affenarten in die Liste der Wissenschaft aufgenommen worden.

Eine Art zu „entdecken“ bedeutet nicht, dass die Welt blind war. Es bedeutet, dass die Wissenschaft endlich zur Evolution aufgeschlossen hat.

Junior Amboko führte die Jagd an. Ein Doktorand der Florida Atlantic University, der nicht nur hinschaute. Er hörte zu. Audioaufnahmen, Fotografie, genetische Sequenzierung. Das Werkzeug der modernen Zoologie, eingesetzt in dichter tropischer Luftfeuchtigkeit.

Er nannte es ein unglaubliches Gefühl, in das Angesicht von etwas zu blicken, von dessen Existenz so wenige wussten.

Aber die Affen sind scheu. Arroganterweise. Sie bleiben hoch oben. Amboko besuchte zweiundfünfzig Dörfer. Zweiundfünfzig. Und nur acht Personen gaben an, jemals einen Likweli, so der lokale Name, gesehen zu haben. Die anderen 44 Dörfer hatten keine Ahnung, dass sie im selben Wald lebten.

Das Team nannte es Colobus congoensis. Eine Anspielung auf das natürliche Chaos seines Zuhauses. Es schließt sich dem Colobus-Clan an, einer Gruppe, die laut Prof. Kate Detwiler eine ziemlich ausgeprägte biologische Eigenart hat.

Ihnen fehlen Daumen.

Wie halten sie durch? Also. Nur so überleben sie. Wir haben die DNA kartiert, dem orangelippigen Fremden einen Namen gegeben und ihn in PLoS One veröffentlicht.

Jetzt ist das Geheimnis gelüftet. Doch der Affe bleibt verborgen.